Regattabericht: „Die erste 2.4mR-Regatta auf dem Steinhuder Meer und ein bisschen Dejavue”

von Michael Tiemann
Foto: Thorsten Gaubisch, BSV

Ich hätte es noch bis vor ein paar Monaten für ausgeschlossen gehalten, dass ich in meinem Leben nochmal auf dem Steinhuder Meer segeln würde. Es ist gefühlt schon eine Ewigkeit her, als wir Jahr für Jahr zum Piraten Preis und zum Samowar Cup nach Steinhude fuhren.

Ausfahrt Wunstorf-Kohlenfeld und dann Richtung Kali-Berg. Das waren immer schöne Veranstaltungen im Hannoverschen YC oder der Baltischen SV, wobei ich mit dem See, Entschuldigung Meer natürlich, nie ganz warm geworden bin. Meistens blinkten rund um das Meer die orangen Sturmwarnleuchten und es war Totenflaute.

„Die gibt es nicht mehr“, versicherte mir Heiner, als wir uns am Samstagmorgen im Schaumburg-Lippischen trafen (da kamen die wilden Piraten früher gar nicht rein).
Tatsächlich war alles anders. Keine Sturmwarnlampe weit und breit zu sehen, dafür ließ sich aber schon erahnen, dass draußen richtig Druck in der Luft sein würde.

Das Teilnehmerfeld der 2.4mR war schnell durchgezählt: Dirk, Heiner, Martin, Peter, Torsten und ich. Hans Grzemba hatte leider auch noch abgesagt und so waren‘s nur noch sechs, quasi ein Double-Tripple-Matchrace. Alles Werben und Betteln in Münster hatte nichts genutzt. Der fehlende Ranglistenfaktor hatte entgegen vielstimmiger Behauptungen („wir segeln doch nicht wegen der Rangliste“) doch seine Wirkung. Eins kann ich an dieser Stelle schon vorwegnehmen: Wir hatten unseren Spaß! Und den Titel „Teilnehmer der ersten 2.4mR-Regatta in Steinhude“, kann uns keiner mehr nehmen.

Foto: Thorsten Gaubisch, BSV

Nach einer kurzen, aber herzlichen Begrüßung durch Niels Henschel (Sportschef) ging‘s raus. Drei Wettfahrten waren geplant. Das sollte doch kein Problem sein. „Ihr müsst beim Rausfahren auf ein paar Untiefen aufpassen“ hatte uns Heiner zwei entscheidende Wegepunkte für die Fahrt zum Startprahm gegeben: „Erst auf das blaue Hotel am gegenüberliegenden Ufer zuhalten und dann auf der Mitte des Sees nach links abbiegen“.

Kaum aus der Landabdeckung raus, fing der Spaß an. 5 Bft. und eine echt heftige, kurze, steile Welle. Holla die Waldfee. Schon nach kurzer Zeit wurde das Display meines Taktikcomputers ganz milchig und gerade als ich die Startlinie gescannt hatte: Aus!
Alle Wiederbelebungsversuche blieben bis heute erfolglos. Gottseidank hatte ich noch eine Uhr dabei, Computer werden eh überschätzt und Navigation ist bekanntlich, wenn man trotzdem ankommt. Also nach Gutsherrenart ein paar Landpeilungen genommen. Wird schon schiefgehen. Gegen Torsten hatte ich in der ersten Wettfahrt keine Chance. Am Luvfass noch Boot an Boot, fuhr er mir Vormwind davon. Außerdem verabschiedete sich auch meine Elektropumpe, so dass während der Kreuz Handarbeit angesagt war. Das zweite Rennen lief dann für mich besser. Konsequent über rechts. Da schien die Welle nicht so böse zu sein. Ziel war nach der dritten Kreuz schon an der Luvmarke mit Startverschiebung und der Anweisung in den Hafen zu fahren. Das war‘s dann für Samstag. Die Wettfahrtleiterin war der Empfehlung gefolgt, nicht bei über 22 Kn Wind zu starten und gemessen wurden bis 28 Kn.

Um 18 Uhr gab‘s lecker Spargel, Heiners Frau kam auch dazu, nette Gespräche, einzwei Bierchen und dann ins Bett.

Sonntag war der erste Start um freundliche 11 Uhr angesetzt. Also entspannt im nahegelegenen Hotel gefrühstückt, ausgecheckt, zum SLSV, die über Nacht durchgeladene Batterie wieder eingesetzt (Pumpe funktioniert wieder) und bei schwachem Wind raus. Auch wenn es keine Flaute war, aber die Welt war für mich wieder in Ordnung: Auf dem Wilhelmstein blinkte wieder die Sturmwarnung. Sorry Heiner, aber eine Lampe hast du übersehen 😉

Foto: Thorsten Gaubisch, BSV

Wir konnten noch zwei Wettfahrten bei wieder zunehmendem Wind segeln und ohne Hektik am Kran alles in Ruhe verpacken. Heiner machte eine kleine Siegerehrung, alle verabschiedeten sich herzlich voneinander und nach gut eineinhalb Stunden Fahrt war ich wieder zuhause. Fazit: Eines der schönsten Regattasegelwochenenden der letzten Jahre. Traurig, dass nicht mehr Boote am Start waren. Ein neues Segelrevier für die 2.4mR ist erschlossen (armer Christian, wieder nicht im Süden).

Ein Dankeschön an Heiner, den SLSV und die BSV, die uns mit ins Programm genommen hatte.

Michael Tiemann, GER 31

Ergebnisse:
https://manage2sail.com/de-DE/event/Trapez2022#!/results?classId=e4934cce-95c6-4a28-8c60-1d68048c96ab

Fotos der Baltischen SV von
Peter Baxmann
Thorsten Gaubisch

3 Antworten auf „Regattabericht: „Die erste 2.4mR-Regatta auf dem Steinhuder Meer und ein bisschen Dejavue”“

  1. Lieber Michael,

    Gardasee in Flaute ist sehr selten?

    Klimawandel und immer teure Wege.

    Als Klimaaktivist gegen die Erdgasverdichter am Chiemsee im Abgas- Windbereich Fraueninsel und Prien sahen wir schon vor 25 Jahren die Problematik.

    Wir werden immer mehr im Süden wie Traunsee, Achensee und Wolfgangsee in gut 100 km Bereich segeln und es wird zu einer Grüppchenbildung in verschiedenen Regionen auch grenzübergreifend wie Italien, im Norden Frankreich, Belgien und Holland kommen.
    Vielleicht brauchen wir in der Zukunft eine Nord- und Südeuropäische Regattaserie, oder Europa in Distrikte, die eigene Ranglisten haben?

    An Lösungen kannst Du mitarbeiten?

    Eurosaf und Challenge Cup sind der Einstieg,
    eine gerechte Rangliste ist noch nicht gefunden?

    Michael, kein Vorwurf: wie oft warst Du in Prien?

    Wir “müssen” in den Norden fahren, wer nicht will oder kann, ist raus.

    Beste Grüße
    Christian

    1. Hallo Christian,
      ich hätte dem Klammerzusatz ein 😉 hinzufügen sollen.
      Meine inhaltliche Antwort findest Du im Blog.
      Gruß
      Michael

  2. Ich kann nur zustimmen, es war die Reise wert.
    Auch wenn meine nagelneuen Segel nun nicht mehr neu sind, hat es Spaß gemacht.
    Danke an Heiner und das Team…..

Kommentare sind geschlossen.

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