Regattabericht Trofeo Pier Carlo Bianchi Albrici 2021, Dervio

Von Urs Infanger, SUI 157

Vor ca. 2 Wochen erhielt ich per Facebook die Anfrage, ob ich denn auch an die Regatta am Comersee komme. Schon eine tolle Sache, das Facebook. Ich hätte sonst tatsächlich nicht gemerkt, dass ganz in meiner Nähe (weniger als 300 km) eine Regatta stattfindet. 

Kurz intern familiär abgeklärt, und dann entschieden hin zu fahren. Die beste aller Segler-Ehefrauen hat mir sogar empfohlen, am Schweizer Nationalfeiertag ins Ausland zu fahren! Dies vor dem Hintergrund der steigenden Corona-Zahlen und einem dadurch unsicheren Regatta-Herbst.

Aufgrund des Gotthard-Staus am Freitagabend entschied ich mich kurzerhand, via Chur und Splügenpass an den Comerseezu fahren. Das ist nicht zur Nachahmung empfohlen. Es ging zwar, aber die Strecke ist anspruchsvoll und die Bremsen haben ganz schön gelitten. Um 10 Uhr abends dann im Club angekommen, und im Lieferwagen zum Schlafen gelegt.

Am Samstag wurde aufgemastet, eingewassert und angemeldet, und dann ging es auch schon los zu den ersten Läufen.

Der typische thermische Wind hat sich nicht eingestellt, aber es gab trotzdem einen einigermassen gleichmässigen Südwind mit 5 – 8 Knoten. Die Windrichtung war recht stabil und es gab keine grossen Dreher, aber man musste gut aufpassen, auf welcher Seite mehr Wind war. Die beiden Läufe gelangen mir ganz gut mit einem 2. und einem 1. Rang. Der zweite Lauf musste aufgrund einschlafenden Windes auf dem Vorwindabgekürzt werden. Das aufkommende Gewitter hat dann zum Abbruch des Regatta-Tages geführt, was sicher eine gute Entscheidung war. Den ganzen Abend und über Nacht hatten wir viel Wind und vor allem sehr viel Regen.

Am Abend waren wir in einem sehr sympathischen und rustikalen Ristorante zum Seglerabend eingeladen. Es gab reichlich Antipasti und Wein, und es war ein schöner, sehr gastfreundlicher Abend.

Am Sonntag durfte aufgrund einer Wetterwarnung nicht vor 12 Uhr ausgelaufen werden, also war ausschlafen angesagt. Um 12 Uhr stand der Nordwind immer noch mit 18 – 23 Knoten, deshalb wurde die Startverschiebung gezogen. Um 13.30 flaute es ein bisschen ab, die Böen waren nicht mehr ganz so heftig, und wir liefen endlich zum Segeln aus.

Beim Start waren es noch 16 – 18 Knoten, das erschien mir als Neuling im 2.4mr schon recht viel. Das Boot ist zwar beherrschbar, aber so richtig viel Spass machte mir das nicht mehr. Da fehlt schon die Angewöhnung, man müsste wohlöfter bei starkem Wind segeln. Während dem Start drehte der Wind massiv nach links, und die Boje war die bevorzugte Seite. Aufgrund des starken Drehers konnte ich nicht mal mehr die Boje auf Backbordbug passieren. Ich musste aufgrund des Feldes über mir eine Q-Wende fahren und das Feld mit Steuerbordbug von hinten aufrollen. Das war irgendwie noch lustig, ich kann mich nicht erinnern, dass mir sowas schon mal passiert wäre. An der ersten Boje war ich im Mittelfeld, auf dem Vorwind ebenso. Auf der zweiten Kreuz traf ich mit der linken Seite eine glückliche Wahl und konnte einige Boote überholen. Am Luvfass wurde abgekürzt und gewertet, uff, als fünfter konnte ich mich gerade noch ins Ziel retten. Kurz nachrechnen, ja, sollte reichen, Glück gehabt. Der Wind schlief ein, die letzte Startmöglichkeit war eh auf 16.00 Uhr angesagt, deshalb war der Regattatag beendet. Es wurde zügig ausgewassert und verladen, die Hilfsbereitschaft innerhalb dieser Klasse ist schon was tolles, alle packen mit an und so geht es gut voran.

Kleine Anekdote am Rande: kurz nach dem Einlaufen machte sich bei mir Panik breit, der Autoschlüssel ist verschollen. Nachdem alle Jacken und Hosentaschen mindestens 3-fach kontrolliert sind, kommt mir die rettende Idee, derSchwerkraft folgend am tiefsten Punkt zu suchen. Nein, nicht vom Comersee, sondern vom Boot. Ein Griff in den mit Wasser gefüllten Kiel, der Schlüssel ist wieder da. Allerdings funktioniert er nicht mehr, und da sich beim Ford Transit die hinteren Türen nur mit der Fernbedienung öffnen lassen, stehe ich ohne Kleider und Schuhe da. Die Wahl für die Heimfahrt war also Surfschuhe oder Barfuss, ich habe mich dann für Barfuss entschieden.

An der Siegerehrung durfte ich den 1. Preis entgegennehmen, ein Wanderpokal, den es nächstes Jahr zu verteidigen gilt. Wenn meine Frau das wüsste, schon wieder Segeln mitten im Sommer!

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